Ausstellungen

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch Kuratiert von Karin Perne

Veranstalter: Galleria Doris Ghetta
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Die Künstler fassen im malerischen/skulpturalen Sinne das Sein des Menschens zusammen und geben die Transzendenz wieder

Der Titel der Ausstellung stammt aus der Patmos Hymne von Friedrich Hölderin, der dieses Jahr sein 250-jähriges Jubiläum feiert. Kaum ein anderes Zitat bündelt die Emotionen und Eindrücke der letzten Monate, die wesentlich unser Gemeinschaftsleben prägten. Die in der Ausstellung versammelten Künstler und Künstlerin fassen im malerischen und skulpturalen Sinne das Sein des Menschens zusammen und geben die Transzendenz – die Überschreitung der Grenzen von Erfahrung, Bewusstsein und des Dieseits – unseres auratischen, mythischen und politischen Körpers wieder.

 

Eva Aeppli (1925 – 2015 / CH)

Robert Bosisio (1963 / ITA)

Jonas Burgert ( 1969 / GER)

Miriam Cahn (1949 / CH)

Aron Demetz (1972 / ITA)

Walter Moroder (1963 / ITA)

Walter Pichler (1936 – 2012 / AUT)

Carol Rama (2018 – 2015 / ITA)

Eva Schlegel (1960 / AUT)

Peter Senoner (1970 / ITA)

Kiki Smith (1954 / GER/USA)

 

Mit dem Wunsch, vor allem die Künstler der Galerie Doris Ghetta, die aus der Region stammen und auch vor Ort arbeiten – Robert Bosisio, Aron Demetz, Walter Moroder und Peter Senonor – zu zeigen entstand das Ausstellungskonzept. Gerade mit den Auswirkungen und Erfahrungen aus der in Italien erlebten Quarantäne, war es für Doris Ghetta und der Kuratorin Karin Pernegger wichtig, vor all ihre lokalen Künstler zu stärken und international zu vernetzen. Die Ausstellung beschäftigt sich im Sinne des Titels nicht nur mit der Gegenwart der Pandemie, sondern auch mit der Verfasstheit des Menschen im Generellen. Mit dem Versuch, den Skulptur- und Malereibegriff der oben genannten Künstler zu kommentieren, aufzulösen und zu ergänzen, wurden zu deren Arbeiten Künstler und Künstlerinnen kombiniert, die sich ebenfalls mit diesen Thematiken auseinandersetzen.

 

Den drei aufeinanderfolgenden Ausstellungsräumen sind besonderen Schwerpunkten gewidmet. Die Kondition des Körpers und die Projektion der Gefahr zeigt sich im ersten Raum. In dichter Anziehung stehen der „Treppenspringer“ (2005) von Jonas Burgert und die großformatige Skulptur von Peter Senoner. Demgegenüber wirken die Totenkopfgestalten der Malerei „Le Pensionnat (1961) der Schweizer Künstlerin Eva Aeppli – der ersten Frau von Jean Tinguely – im Zusammenspiel mit dem Soldaten (1994) von der ebenfalls aus der Schweiz stammenden Künstlerin Miriam Cahn, wie Ankünder einer gefahrvollen Gegenwart.

 

Im mittleren und zentralen Raum löst sich der Körper als Geste seines transzendenten Seins auf. Der architektonische Raum verfließt bei Eva Schlegel und Robert Bosisio in seine einzelnen Elemente und greift das emotionale Sein als ein in sich ruhender Pol wieder auf. Die Grundformen ordnen sich, wie auch bei Carol Rama. Beeinflusst durch ihre engen Kontakte zum „Movimento Arte Concreta“ in den 1950er Jahren, deren Ziel eine Bestätigung der abstrakt-konkreten Kunst war, entwickelte die Künstlerin in den 1970er Jahren mit Materialien wie Holz und Gummi großformatige Collagen. Im Kontext der Ausstellung wäre sehr interessant zu erfahren gewesen, wie Carol Rama auf die aktuell bestehende Pandemie künstlerisch reagiert hätte, da sie mit ihren Arbeiten „Mucca Pazza“ (dt. Rinderwahn) Ende der 90er auf die gleichnamige Epidemie reagierte.

 

Die architektonische Balance zwischen Körper und Architektur nimmt nicht nur das Spiegelmodel des Pavillons von Eva Schlegel auf, sondern zeichnet auch das menschliche Abbild der Arbeiten von Walter Pichler. Dieser Transformation folgenden stehen sich auch die Arbeiten von Walter Moroder und Kiki Smith gegenüber. Wobei die Künstlerin vor allem Impulse zu der zwischen Zeichnung und Skulptur arbeitenden Position Peter Senoner´s setzt. Im Gegenüber zu seinen körper-betonten Skulpturen sind seine Zeichnungen von femininer Gestik getragen, wie auch Kiki Smith ihrer künstlerischen Praxis zwischen Fotografie, Skulptur und Installation im mythisches und auratisches Selbst aufbricht. Um so klarer heben sich die Sternzeichenköpfe von Eva Aeppli ab, die sie in ihrer letzten Lebensphase geschaffen hatte. In der Ausstellung befindet sich die Skulptur des „Krebs – Messidor“, eine prozessuale Arbeit aus den Jahren 1980 bis 1998. Das in Auflösung befindende Selbst wächst bei Aron Demetz über sich heraus. Der ausgestellte Kopf, dessen Gusstrichter und -steiger nur knapp oberhalb der eigenlichen Kopfform gekappt sind, sind an ihren kurzen Enden leuchten poliert, als ob sie sich als neue Anschlussstellen zum Betrachter öffnen. Ein abschließendes Bild der Ausstellung, das an einen weiteren Vers aus Hölderlin´s Patmos Hymne erinnert: „Komm! Ins Offene, Freund!“, vielleicht und hoffentlich das Leitmotiv des verbleibenden Jahres 2020.

 

Karin Pernegger

 


redaktionell geprüft



Ausstellungs-Informationen


Vernissage

Künstler/in anwesend
Startdatum: 01.08.2020
Uhrzeit: 17:00


Event-Eigenschaften


Wetter

Bei schlechtem Wetter möglich

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