Theatrum Naturae – Die Bühne des Lebendigen
Veranstalter: Vijion Art GalleryTheatrum Naturae richtet den Blick auf das leise große Spektakel der Natur: auf Bewegungen, die oft unbemerkt bleiben, und auf Prozesse, die sich jenseits unseres eigenen Tempos entfalten. Seit jeher prägen Formen, Farben und Rhythmen der Natur die Kunst – nicht nur als Motiv, sondern als lebendiger Impuls für Wahrnehmung, Material und Idee.
Die Schönheit von Kunst und Natur vermag uns in staunende Beobachter zu verwandeln. Gebannt stehen wir vor der zarten Anmut einer Landschaft, einer organischen Form oder den faszinierenden Entfaltungen von Flora und Fauna. Schönheit zeigt sich dabei nicht allein im Natürlichen, sondern ebenso in der schöpferischen Kraft der Kunst, universelle menschliche Erfahrungen sichtbar und sinnlich erfahrbar zu machen – und uns eine Ahnung von etwas Zeitlosem und Verbindendem zu schenken.
Die Ausstellung eröffnet einen Raum, in dem Kunst und Natur nicht als Gegensätze erscheinen, sondern als ineinander wirkende Kräfte. Dadurch erweitert sich unser Blick, und neue Perspektiven entstehen. Natur und Kultur treten heute zunehmend in hybriden Konstellationen auf: als Bestandteile eines komplexen Gefüges wechselseitiger Beziehungen und Einflüsse. Die gedanklichen Voraussetzungen vieler zeitgenössischer Kunstformen sind eng mit Fragen nach Ökologie, Materialität und Lebensformen verwoben. Natur, Zivilisation und Kultur lassen sich daher weniger als getrennte Sphären, denn als vielfältig interagierende Systeme begreifen. Ihre Grenzen sind porös geworden. Der Philosoph Bruno Latour schlug deshalb vor, den Begriff der „Natur“ durch die Einheit von „Natur/Kultur“ zu ersetzen.
Während Natur oft als spontan, ursprünglich und vollkommen erscheint, ist Kunst Ausdruck von Reflexion, Technik und gestalterischem Willen. In der zeitgenössischen Kunst tritt Natur jedoch nicht mehr bloß als dargestelltes Objekt auf, sondern zunehmend als Mitgestalterin: in sich wandelnden Strukturen, in Prozessen des Wachsens und Vergehens sowie im Spiel von Licht, Bewegung und Zeit. Die gezeigten Arbeiten greifen diese Qualitäten auf und übersetzen sie in unterschiedliche künstlerische Sprachen.
Der Mensch selbst ist Teil der Natur. Bereits seit der Antike wird sie als Lehrmeisterin verstanden, deren Gesetzmäßigkeiten erforscht und interpretiert werden. Theatrum Naturae untersucht, wie zeitgenössische Kunst neue Formen der Naturwahrnehmung hervorbringt und sich zugleich mit ökologischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzt. Erst wenn die Erde als grundlegende Bedingung menschlichen Lebens anerkannt wird – zugleich aber als ein System, das dem Menschen nicht verpflichtet ist –, lässt sich die tiefgreifende Beziehung zwischen Natur und Kultur in ihrer ganzen Dimension erfassen.
Ausstellende Künstler*innen: Karoline Gacke, Hanna Battisti, Hans Finezza, Julia Bornefeld, Kristina Weiss und Egon Digon
Karoline Gacke
Karoline Gackes Arbeiten sind keine Abbilder einer äußeren Realität, sondern Ausdruck dessen, was sich im Verlauf der Zeit wahrnehmen und erspüren lässt. Ihre Malerei folgt keinem festgelegten oder bis ins Detail geplanten Entwurf. Ausgangspunkt ihrer Werke ist vielmehr ein Impuls, eine vage innere Vorstellung. Im Prozess des Malens entwickeln sich die Bilder Schritt für Schritt vor ihren Augen – Geste für Geste, geleitet von etwas schwer Fassbarem: dem Unbewussten, einer inneren Stimme oder dem Instinkt.
Hanna Battisti
Mit ihren künstlerischen Fotografien erweitert Hanna Battisti die Ausstellung um eine Reflexion über die Schönheit und zugleich die Zerbrechlichkeit der Natur. Im Mittelpunkt steht die Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt in ihren jeweiligen Lebensräumen. Für die Künstlerin bedeutet die Darstellung der Natur vor allem, jene Emotionen sichtbar zu machen, die in der Begegnung mit dem Nicht-Menschlichen entstehen. Ihre Arbeiten schaffen meditative Momente und würdigen die Komplexität und Eigenständigkeit der natürlichen Welt.
Hans Finezza
Die Werke von Hans Finezza eröffnen neue Perspektiven auf Landschaft und Wahrnehmung, indem sie dasselbe Motiv aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Dadurch entsteht ein Moment der Verfremdung, das tradierte Vorstellungen klassischer Landschaftsdarstellung infrage stellt. Seine Arbeiten laden dazu ein, diese lebendigen und komplexen Ökosysteme nicht nur zu betrachten, sondern in sie einzutauchen. Die daraus entstehende Irritation wird zur metaphorischen Aufforderung, den Blick für das Unbekannte zu schärfen und eine bewusste Haltung einzunehmen.
Kristina Weiss
Kristina Weiss erzählt unausgesprochene Geschichten und erschafft imaginäre Orte. In ihren Kompositionen begegnen sich Sichtbares und Unsichtbares, Präsenz und Abwesenheit, Verdichtung und Leere. Ihre feinen Pinselstriche entwickeln organisch wirkende, beinahe höhlenartige Strukturen mit eigenem Rhythmus und Eigenleben. Aus der Distanz erscheinen die schmalen Bahnen ihrer Arbeiten paradox und vieldeutig. Ihre Bildwelten folgen keiner eindeutigen Erzählung; die Allegorien bleiben fragmentarisch und offen. Sie wirken wie gegenseitige Ergänzungen – niemals abgeschlossen, stets auf der Suche nach einem Gegenüber.
Julia Bornefeld
Bornefeld nähert sich dem Thema des „Natürlichen“ durch intensive visuelle Eindrücke und vielschichtige Bildwelten. Mit einem zugleich ironischen und bitteren Unterton verknüpft sie diese mit gesellschaftlichen Fragestellungen unserer Gegenwart und richtet den Blick auf ein hochaktuelles Spannungsfeld. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht die Beziehung zur „natürlichen Natur“ — der Versuch, sie durch Vorstellungskraft zu erfassen und den unterschiedlichen Formen biologischen Lebens eine Ordnung zu geben. Zugleich unterläuft die Künstlerin diesen Ansatz bewusst und provokativ: Durch die Konstruktion vollständig künstlicher Szenarien sowie die Bearbeitung neuer technischer Materialien verweist sie auf jene para-natürlichen Lebensräume, die unseren Alltag zunehmend prägen. Ihre Werke bewegen sich damit im Spannungsfeld zwischen Natur, Künstlichkeit und gesellschaftlicher Realität.
Egon Digon
Egons Assemblagen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen organischem Wachstum und konstruktiver Ordnung. Durch die Verbindung von fein gearbeiteten Holzskulpturen mit architektonischen Fragmenten und industriellen Relikten entstehen Werke, in denen das Verhältnis von Natur und Kultur neu verhandelt wird. Die Natur erscheint dabei nicht als romantischer Gegenentwurf zur Zivilisation, sondern als autonome Kraft, die bestehende Ordnungen durchdringt und transformiert. Blüten, Ranken und vegetabile Strukturen entfalten sich innerhalb technischer Gefüge und architektonischer Überreste. In diesem Zusammenspiel von Verfall und Erneuerung thematisieren die Arbeiten sowohl die Beharrlichkeit natürlicher Wachstumsprozesse als auch die Fragilität menschlicher Konstruktionen. So werden Vergänglichkeit und Beständigkeit, Widerstand und Wandel gleichermaßen sichtbar.
redaktionell geprüft
Ausstellungs-Informationen
Durchführung
Kurator: Kostner Valentine
Künstler: Karoline Gacke, Hanna Battisti, Hans Finezza, Julia Bornefeld, Kristina Weiss, Egon Digon
Vernissage
Einführung - Vernissage: Kostner Valentine
Künstler/in anwesend
Mit Vernissage
Event-Eigenschaften
Sonstiges
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