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Territorium

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we go were they leave us

In neuester Zeit scheint das Heilsversprechen für viele Menschen wieder in der Abgrenzung, der Sicherung des eigenen Lebensraumes (notfalls auch mit Gewalt) zu liegen. Was wir durch den zunehmenden Wohlstand und den Frieden überwunden zu haben glaubten, bricht weltweit in alter Schärfe wieder auf. Ein neuer Fundamentalismus und Nationalismus breitet sich aus und nimmt Gestalt an in unseren Köpfen, und man fragt sich, wohin das führen wird. Der Dialog gefriert zu einem Monolog unter Taubstummen, die sich über die Abgrenzung, die Ausgrenzung und die Ablehnung des Fremden definieren. Ein neues Sprachenwirrwarr von babylonischen Ausmaßen zeichnet sich am Horizont ab. Dieses weckt Ängste und mündet in den Ruf nach einem klar definierten Territorium, nach "Leitkultur", nach verminten Grenzen, welche vermeintliche Sicherheit verheißen.
Wir leben zugleich in einer Welt, die sich so rasant verändert, dass ich (sagt Kammerer) nicht verstehen kann, wie Künstler heutzutage noch monumentale Plastiken schaffen können, Kunstwerke, die die Beharrlichkeit, das Dauerhafte und Beständige feiern.
Kunst ist für Kammerer ein andauernder Kampf, eine ständige Suche nach den Koordinaten der jeweiligen Zeit, nach den bestimmenden gesellschaftlichen Tendenzen und Zwängen. Auch eine Suche nach Auswegen, nach neuen Horizonten, nach Antworten auf die drängenden Fragen der Menschheit. Und ein Streben nach Freiheit, die die Grenzziehungen zu überwinden hilft.
Kammerer arbeitet nach eigenen Aussagen immer wieder mit Schaumstoff. Er ist unglaublich veränderlich, andauernd im Begriff, eine eigene Sprache und Form zu entwickeln. Ich kämpfe, so sagt sie im Gespräch im Atelier, kontinuierlich mit diesem Material, mit den im Material immanent pulsierenden Kräften, die sich nicht zähmen lassen. Es scheint, als ob das Material einen eigenen Willen hätte. Ein eigenes Leben (Form) hat es ja sowieso. Ausgangspunkte für ihre neuesten Kunstwerke, die die Künstlerin u.a. in Toblach ausstellt, sind - so sagt sie auf Nachfrage - Brutstätten der Macht. Z.B. Berlin, die ehemalige Reichshauptstadt und eines der bestimmenden derzeitigen Machtzentren Europas. Sie bilden die Sohle, auf der die fragilen Strukturen entstehen und wirken. Was sich auf diesen Grundmustern entwickelt, ist andauernd in Veränderung begriffen, ein existentieller Kampf um die formgebende Kraft des geistigen und politischen Territoriums. Kammerer will sich nicht als Poetin des Fragilen, des Veränderlichen, des Augenblicks verstehen. Das sind zu große Worte, sagt sie.
Sie will uns aber in den Spiegel schauen lassen und uns unsere Engstirnigkeit, Intoleranz und Gewaltbereitschaft vor Augen führen.


redaktionell geprüft



Ausstellungs-Informationen

Durchführung

Kurator: Josef Duregger
Künstler: Will-Ma Kammerer


Diese Veranstaltung ist Teil der Eventserie

Festspiele Südtirol 2018

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