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FUNGA – eine verborgene Welt

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Weder Pflanzen noch Tiere – sie können kommunizieren und spielen eine fundamentale Rolle in der Natur. Aber was sind Pilze wirklich, was können sie leisten und warum wäre ein Leben ohne sie kaum vorstellbar? Davon erzählt die Ausstellung „Funga – eine verborgene Welt“, die gestern im Naturkundemuseum eröffnet wurde.



Pilze gehören zu den ältesten und zugleich unsichtbarsten Protagonisten des Lebens auf der Erde. Die Sonderausstellung lädt dazu ein, dieses eigenständige Reich zu entdecken und über die Fruchtkörper hinauszugehen – jenseits der Vorstellung von Pilzen als bloßem Nahrungsmittel.



Pilze wirken meist im Verborgenen: Was gemeinhin als „Pilz“ bezeichnet wird, ist nur der Fruchtkörper (vergleichbar mit dem Apfel eines Baumes). Der eigentliche Organismus besteht aus einem verzweigten Netzwerk feiner Zellfäden, den Hyphen, die zusammen das Myzel bilden. Dieses Geflecht wächst verborgen im Boden, im Holz oder in anderen Substraten, transportiert Wasser und Nährstoffe und stabilisiert den Boden, indem es organisches Material und Gestein miteinander verbindet. Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere: Wie Pflanzen (mit denen sie lange Zeit in Verbindung gebracht wurden) sind sie ortsgebunden, können jedoch keine Photosynthese betreiben. Daher müssen sie sich – ähnlich wie Tiere – durch die Aufnahme organischer Stoffe ernähren, die sie allerdings in gelöster Form aus ihrer Umgebung aufnehmen. Nach heutigem Kenntnisstand sind Pilze näher mit Tieren verwandt als mit Pflanzen.



Pilze spielen eine zentrale Rolle in Symbiosen: Über 90 % aller Landpflanzen leben in Symbiose mit ihnen. Die Pilzhyphen erweitern das Wurzelsystem der Pflanzen und verbessern die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, während die Pflanzen den Pilzen Zucker liefern. Ohne diese Beziehungen wäre die Besiedlung des Festlandes nahezu unmöglich gewesen. Auch Flechten – Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen oder Cyanobakterien – zeigen, dass Pilze sogar extreme Lebensräume besiedeln können.



Die Ausstellung erklärt außerdem, dass Pilze nicht nur chemisch, sondern möglicherweise auch elektrisch kommunizieren: Viele Arten leiten elektrische Impulse durch ihr Myzel. Die Forschung vermutet, dass diese Signale der Informationsverarbeitung dienen und ihre Muster einer Art „Sprache“ ähneln könnten – ein Forschungsfeld, das noch weitgehend unerforscht ist.



„Funga“ erzählt von den uralten Ursprüngen der Pilze, ihrer Schlüsselrolle in Natur und Evolution und ihrer engen Beziehung zum Menschen, etwa im Haut- und Darmmikrobiom. Die wissenschaftliche Perspektive wird durch kulturelle Blickwinkel ergänzt: Pilze als Heilmittel, als Bestandteil von Ritualen und Mythen sowie als charakteristische Motive in Kunst und Popkultur. Aktuelle Ansätze zu nachhaltigen Materialien und biotechnologischen Anwendungen werfen schließlich einen Blick in die Zukunft.





Die Ausstellung wurde am 09.02.2026 vom Museumsdirektor David Gruber sowie von den Kuratorinnen Petra Mair, Kuratorin der Sektion Bryologie, und Margit Schweigkofler, Museumspädagogin, eröffnet. Sie ist bis Februar 2027 im Erdgeschoss des Naturmuseums Südtirol zu sehen.