Literatur

Demagogisches Sprechen aufzeigen

Veranstalter: Heimat - Brixen Bressanone Persenon
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Eine Begegnung mit dem Zeitzeugen und Journalisten Karl Pfeifer

Begegnung mit Karl Pfeifer
Nicht nur in der Geschichtsforschung, sondern auch in einer kritisch reflektierenden Gesellschaft sind Zeitzeugen als lebende Quellen, die ihre lebensgeschichtlichen Erfahrungen mitteilen und so einen unmittelbaren Zugang zu historischen Ereignissen gewährleisten, von immer größerer Bedeutung. Journalisten als Zeitzeugen ermöglichen zudem einen Einblick in die berufsbedingte kritische Reflexion gesellschaftlicher Prozesse. Karl Pfeifer ist einer der streitbarsten Publizisten Österreichs. Er befasst sich mit dem erstarkten Nationalismus und Antisemitismus genauso wie mit Vergangenheitsaufarbeitung und Antifaschismus. Die Erinnerung wachhalten und demagogische Reden, auch in Bezug auf die Vergangenheit, zu demaskieren, prägen sein journalistisches Ethos. Es ist ihm aber auch ein Anliegen, seine Lebensgeschichte der jüngeren Generation nahe zu bringen. Karl Pfeifer kennt die Geschichte des Nationalsozialismus genauso gut wie die Machenschaften von Neonazis und ist bis heute ihr konstanter und mutiger Kritiker. Er ist Mitglied im Kuratorium des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands und wurde 2003 mit der Joseph-Samuel-Bloch-Medaille der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich ausgezeichnet. Karl Pfeifer lebte nach dem zweiten Weltkrieg in einem Kibbuz, kämpfte im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrte Anfang der Fünfzigerjahre nach Österreich zurück, wo er sich mit Österreichs Opfermythos, NS-Kontinuitäten und politisch kaschierten bzw. politisch strategisch kalkulierten antisemitischen Positionen auseinandersetzte. Der Antisemitismus habe sich in der EU keineswegs verringert und Österreich und Ungarn stehen leider weit vorne, erklärte Karl Pfeifer im Mai 2010 bei einer Veranstaltung im Kulturverein Walter Masetti. »Die Erinnerung ist wichtig, sie dient, den nachfolgenden Generationen zu verdeutlichen, wie sich die Geschichte zugetragen hat. Es geht dabei nicht um Ressentiments oder Hass, sondern darum, die Verfehlungen und demagogischen Machenschaften, die immer noch vorhanden sind, vor Augen zu führen.«

Karl Pfeifer (*1928,Baden bei Wien)
Nach dem »Anschluss« flüchtete Pfeiffer mit seinen Eltern nach Ungarn. Besuch der jüdischen Gymnasien in Debreczen und Budapest. 1940 Beitritt zur zionistisch-sozialistischen Jugendbewegung Haschomer Hazair. 1943 gelangte er mit einer Jugendgruppe nach Haifa. Bis 1946 Besuch einer Schule im Kibbuz SchaarHaamakim,
1946 Beitritt zum Palmach, einer Eliteeinheit der Hagana, Teilnahme am Unabhängigkeitskrieg Israels
1948-1949 1951 Rückkehr nach Wien
1952-1954 Hotelfachschule in Bad- und Hof Gastein
1954-1979 Arbeiten im Hotelfach in Europa und Neuseeland
Seit 1979 Journalist, mit dem Schwerpunkt Ungarn.
1980-1987 vier Mal wegen journalistischer Tätigkeit aus Ungarn ausgewiesen
1982-1995 Redakteur der Gemeinde, des offiziellen Organs der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
Seit 1999 Wiener Korrespondent der Budapester Wochenzeitung »Hetek«, 1990-2005 Korrespondent des israelischen Radios in Wien. 1996 Veröffentlichung des biographischen Bandes »Nicht immer ganz bequem«
1999 Publikation der Israel-Studie »Bruderzwist im Hause Israel« mit Koautor Theodor Much, 2013 Publikation des Buches »Einmal Palästina und zurück: Ein jüdischer Lebensweg«, 2016 Publikation des Buches »Immer wieder Ungarn. Autobiographische Notizen, Nationalismus und Antisemitismus in der politischen Kultur Ungarns - Texte 1979 bis 2016« (Edition Critic, Berlin)


redaktionell geprüft



Ausstellungs-Informationen


Durchführung

Einführung: Sabine Mayr


Informationen zur Literaturveranstaltung


Durchführung

Lesung mit: Karl Pfeifer

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„Memoria pubblica e nazifascismo: Italia e Germania a confronto“
  • Brixen, 11.05.21 // 20:00 - 22:00 Uhr