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Ausstellung - Heinz Mader - INTERVALLO

Veranstalter: Kunstforum Unterland
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Das Kunstforum Unterland zeigt vom 01. bis 15. Juni 2019 eine Ausstellung des Künstlers Heinz Mader



Heinz
Mader präsentiert in der Ausstellung INTERVALLO Arbeiten aus zwei
größeren Werkzyklen der letzten Jahre in der Galerie des
Kunstforums Unterland. Heinz Mader ist 1953 in Brixen geboren und
aufgewachsen, lebt aber inzwischen in Bozen und arbeitet in seinem
Atelier in Lana. Seit jeher interessiert er sich für die
Grenzbereiche von Gesellschaft und Kunst, was nicht nur in seinen
Arbeiten, sondern insbesondere im Kontext der verschiedenen
Ausstellungen sichtbar wird. Das Publikum wird
herausgefordert, es muss sich bestimmten Inhalten aussetzen und sich
mit diesen auch auseinandersetzen. Heinz Mader ist ein präziser
Beobachter verschiedenster Vorgänge in unserer Welt, und mit einer
gehörigen Portion Ironie schafft er es immer wieder, in Frage zu
stellen, was selbstverständlich erscheint, und damit nicht zuletzt
auch uns selbst.



In
INTERVALLO konfrontiert Mader uns mit Arbeiten, die im ersten Moment
verstört zurücklassen: Er präsentiert uns mehr Information als wir
verarbeiten können, in einer Videoarbeit, die auf hunderten
Zeichnungen basiert, oder er lässt uns alleine in einem Raum mit
großformatigen, weißen Bildern stehen. Eine „Sendepause fürs
Gehirn“, wie der Künstler selbst über die Arbeiten sagt, was
auch die Anlehnung des Titels der Ausstellung an das Intervallo
des italienischen Fernsehens erklärt: zwischen den konformen
Inhalten gibt es ein Dazwischen, das nach einem eigenen Rhythmus
funktioniert. Der Besucher ist eingeladen, sich diesem Dazwischen,
diesem Intervall im üblichen Prozedere der Bilderflut, auszusetzen
und die gebotene Information erneut zu filtern, zu verarbeiten,
weiterzudenken.



Die
Basis für das in Zusammenarbeit mit Jürgen Winkler entstandene
Video System Insect Control sind 522 Zeichnungen, die Heinz
Mader auf den Seiten des letzten in Südtirol erschienenen
Telefonbuchs angefertigt hat.  Das
Telefonbuch ist für ihn ein überflüssig gewordenes Objekt, das an
den Akt des Telefonierens erinnert, wie er jahrzehntelang
funktioniert hat: aus dem Festnetz, im Sitzen, mit Telefonaten, die
auch länger als nur eine halbe Minute dauern können. Und während
diesen Telefonaten wird gekritzelt, in Notizbücher, auf Hotelpapier,
ins Telefonbuch selbst. Das Telefonbuch als Relikt einer Tätigkeit,
die es so nicht mehr gibt. Heinz Maders Arbeit ist aber nicht als
mahnender Zeigefinger zu verstehen, frei nach dem Motto: früher war
alles besser. Die Kombination von Material und Tätigkeit und die
gleichzeitige Überlagerung mit unzähligen Bild- und Textimpulsen
überlässt es dem Betrachter, ob er das Leben nach dem Rhythmus der
Postmoderne in Frage stellen will oder nicht. Heinz Mader erklärt
uns nicht die Welt, er schärft nur unseren Blick in dem er uns
zeigt, wie er sie wahrnimmt. In diesem Sinne ist auch die
Zusammenarbeit mit Jürgen Winkler, Jahrgang 1968, Architekt und
Musiker aus Bozen, zu verstehen: Für Mader war es  ein
logischer Schritt, die 522 Zeichnungen an jemanden weiterzugeben, der
diese in ein anderes Medium übersetzt, sie verzerrt und verfremdet.
Die aus dieser Zusammenarbeit entstandene Arbeit System Insect
Control ist ein knapp dreiminütiges Video, das mit einer sehr
schnellen, basslastigen Musik unterlegt ist und den Betrachter in der
Ausstellung bewusst überfordern und verstören will. Der Text zur
Melodie basiert zum Teil auf Textfragmenten der Zeichnungen Heinz
Maders und auf einem fiktiven Dialog mit digitalen Assistenten. In
diesem Sinne erweitert Winkler die Aussage der Telefonbuchzeichnungen
auf das Erfahrungsfeld der sozialen Medien und das Input-Output als
grundlegende Interaktion von Benutzern und den Informationen/Daten
mit denen sie arbeiten.


Die
weißen Blätter, die im zweiten Ausstellungsraum gezeigt werden,
stehen in einem regelrechten Kontrast zum Video und den
Telefonbuch-Zeichnungen. Sie laden ein, zum genauen Hinschauen, zum
Sich-Annähern und Erforschen der inneren Landschaften, die sie
sichtbar machen. Entstanden als bunte Collagearbeiten in die Heinz
Mader auch Objekte eingearbeitet hat, hat er sie nach Jahren im
Archiv mit weißer Farbe übertüncht. Dieser finale Akt in der
Entstehung der Bilder ist nicht als Auslöschung von Information zu
verstehen, sondern als Sichtbarmachung: Die weiße Farbe lässt
Strukturen erkennen und Grenzen zwischen den Objekten verschwinden.
Die Blätter wirken nun wie Stadtansichten oder Landschaften aus der
Vogelperspektive, die im Gegensatz zur Videoarbeit Ruhe und Stille
suggerieren. Spielt im anderen Raum Technomusik, könnte eine Art
weißes Rauschen der Soundtrack dieser Bilder sein. Dadurch, dass sie
beidseitig bemalt, beklebt und übertüncht worden sind, kann man die
Arbeiten auch nicht als Bilder im üblichen Sinn bezeichnen. Vielmehr
sind es Objekte im Raum, die nicht nur in eine Richtung wirken,
sondern multidimensional. Als solche sind sie auch keineswegs
statisch, sondern in dem Dazwischen angesiedelt, Information auf
Standby, bevor sie vom Betrachter wieder ausgelesen wird. Ein
Intervallo. Text von Georg Giovanelli (Kurator)








redaktionell geprüft



Ausstellungs-Informationen


Vernissage

Einführung - Vernissage: Georg Giovanelli
Künstler/in anwesend Mit Vernissage Musikalische Umrahmung - Vernissage: eseleptitun
Startdatum: 01.06.2019
Uhrzeit: 20.00


Event-Eigenschaften


Wetter

Bei schlechtem Wetter möglich