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Aron Demetz | intermezzo

Veranstalter: Galleria Doris Ghetta
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Nach seiner großartigen Ausstellung im MANN in Neapel im Juni 2018, hat der Künstler im letzten Jahr nun eine Serie von neuen Werken geschaffen.

ARON DEMETZ

intermezzo

 

Atelierbesuch Aron Demetz,
Samstag 30.03.2019 um 17.48 in Pontives Nord 13

Vernissage, Samstag, 30.03.2019    19–21
Uhr Pontives Süd 8

Ausstellungsdauer: 31.03. – 20.05.2019



 

PRESSETEXT

Nach seiner großartigen und umfassenden Ausstellung
im Archäologiemuseum in Neapel im Juni 2018, in welcher Aron Demetz seine
bildhauerischen Arbeiten den im Museum vorhandenen klassischen Skulpturen und
Gegenständen gegenüberstellte, hat der Künstler im letzten Jahr nun eine Serie
von ganz neuen Arbeiten geschaffen. Die Galleria Doris Ghetta freut sich sehr,
diese nun in einer Einzelpräsentation zu zeigen. Im Rahmen der Eröffnung der
Ausstellung werden die Besucherinnen zuerst in das Atelier von Aron Demetz
eingeladen, welches sich unweit der Galerie befindet. Dort führt der Künstler
die Besucher durch seinen Arbeitsraum, in dem viele skulpturale Arbeiten in
verschiedenen Bearbeitungsphasen zu besichtigen sind. Somit kann der Besucher
den Produktionsprozess miterleben und nachvollziehen.  

Aron Demetz entfernt sich mit seinem neuen
Werkzyklus wieder von den Anleihen am klassischen Körperbild, und verbindet die
Figuration des menschlichen Körpers mit den sichtbaren Spuren seines
Produktionsprozesses. So etwa, indem er die Bronze-Gusskanäle an den Körperaußenseiten
seiner Skulpturen bestehen lässt, welche wie ein Netz den Körper in spannender
Weise erweitern. Teilweise greift Aron Demetz auch wieder auf die bereits
erprobte Technik des Verbrennens von Körpers aus Holz zurück. Diesem
zerstörerischen Prozess wirkt er jedoch entgegen, indem er die verkohlten
Figuren mit Gips überarbeitet. Er belässt die Oberflächen meist rau und
scheinbar unbearbeitet, sodass sich die klassische Figuration nicht in der
Ästhetik der Form wiederfindet, sondern vielmehr in einer kraftvollen
archaischen Sprache des Materials und seiner Eigenschaften, sowie in einem
ungezähmten und damit umso eindrücklicheren künstlerischen Herstellungsprozess.

 


Auszug aus dem Essay von
Alessandro Romanini aus dem Buch von Aron Demetz „Autark“:

 „Die erste Empfindung entspricht dem Gefühl der Annäherung an den Ursprung
der Kunst, das den Künstler dazu treibt, die Spuren der kulturellen
Vergangenheit, besonders aber der künstlerischen Form zu untersuchen. Sie ist
verbunden mit demütiger Furcht, die sich der respektvollen Erkundung und
Betrachtung der Zeugnisse unserer Vergangenheit beigesellt, wie sie seit
Jahrhunderten in unserer Kultur, unseren Institutionen, besonders aber in den
Werken der plastischen Kunst erkennbar sind.

Die gemeinsame Wurzel abendländischer Kunst und Kultur ist der Ursprung von
Prinzipien und Dynamiken, die, offen oder im Verborgenen, durch die Kunst und
die Künstler überliefert und anverwandelt wurden. Diese gemeinsame Wurzel liegt
in der Verschmelzung der aufmerksamen und mitfühlenden Betrachtung durch den
Künstler, jener sinnlichen Erfahrung, die Winckelmann dem Laokoon zuschreibt,
mit jener, die Lessing meint, wenn er nach »ursprünglichen« Bildern in Kunst
und Dichtung strebt, – ursprüngliche Bilder, Archetypen der Poesie und Kunst,
die der Künstler in Form und Material zu erreichen sucht. Auf dieser Wurzel
fußt zudem ein Begriff der Geschichte als ununterbrochene Folge von
Ereignissen, deren Resultat die Gegenwart ist, im philosophischen wie
plastisch-künstlerischen Sinne. Um mit Gustav Mahler zu sprechen: »Tradition
ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche.« (...)

Für Aron Demetz stellt das Material ein unendliches Reservoir kreativer
Möglichkeiten dar. Viele davon sind durch das Material selbst vorgegeben, durch
seine chemisch-physikalischen und unmittelbar wahrnehmbaren
Eigenschaften. Für den Künstler ist der Umsetzungsprozess nicht weniger
wichtig und zuweilen sogar entscheidender als das Endprodukt. Künstlerisches
Tun verschmilzt mithin in einem synergetischen Vorgang. Die künstlerische
Arbeit verflicht die Elemente von Zeit – den Entwurfs- und Umsetzungsprozess
mit seiner gesamten aleatorischen Dimension – und Raum –
die strukturelle Syntax der Plastik, sie verbindet imaginative Abstraktion und operative Konkretheit. Dieser Vorgang verläuft in Probe und Versuch.
Ein aleatorischer Prozess auf dem Gebiet des Stofflichen, gezeichnet von
Unvorhersehbarkeit und Zufall, Scheitern, Korrektur, Neukomposition und Treue
zur Ausgangsidee, vorangetrieben in der Formbarkeit der Vorstellung, geformt am
Prüfstein des Materials. Es handelt sich um ein »learning by doing«, aus dem
sich vieles lernen lässt, vorausgesetzt, der Künstler ist bereit, die
Weisungen, die ihm das Material gibt, anzunehmen und ihnen zu folgen, vor allem
aber ist er in der Lage, dem Material schon im Entwurfsstadium einen diesem
allein vorbehaltenen Status als »Urheber« einzuräumen. (...)

Das Werk von Aron Demetz ist eng an die Konkretheit des physischen
Materials gebunden, auch wenn dieses in erodierter, zerstückelter, verdünnter,
verflüssigter oder anders veränderter Form sowie befreit von der mimetischen
Repräsentation der Wirklichkeit und dem Figürlichen im weitesten Sinne
verwendet wird. Andererseits öffnet es sich in historisch-kultureller Dimension
ebenso wie in den unbegrenzten syntaktischen Kontexten des Räumlichen –
Installation, Design, Architektur – einer dialektisch-synergetischen Dynamik.
Technik und Material, strukturiert durch die Idee des Künstlers, werden hier
einem Spiel offener Beziehungen erschlossen, welche Faktoren berücksichtigen,
die das Werk nicht festlegen, sondern als Propädeutik einer Ausweitung der
Sprachformen fungieren. Hierzu zählen auch Raum und Betrachter. Letzterer wird,
wie das Material, zum Miturheber, aufgerufen, mit dem Werk zu interagieren,
sich von der Rolle eines passiven Beschauers zu lösen und durch seine
subjektive Deutung jene induktiven Sinnimpulse zu vervollständigen, die dem
Werk eingeschrieben sind.

Wie diese Ausstellung greifbar vor Augen führt, befördern Künstler wie Aron
Demetz die Diskussion über die Bildhauerei und die künstlerische Wahrnehmung
nachhaltig und räumen der plastischen Kunst wieder den ihr ge
bührenden Platz unter den Disziplinen des künstlerischen
Ausdrucks ein. Das
skulpturale Werk von Aron
Demetz tritt in einen Dialog mit der Vergangenheit –
ob antik oder modern – und gleichzeitig mit der Gegenwart. Sie tut dies in
einem fortlaufenden Prozess der Ausdrucksformen und Bedeutungen, die je
nach den Vorzeichen der Zeugnisse der Geschichte,
individueller Mythologien,
autonomer Praktiken und
kollektiver Erinnerungen, biografischer Instanzen und universeller Dimensionen
unterschiedlich sind.“ 

Aron Demetz, geboren in
Südtirol 1972, lebt und arbeitet in Gröden, Italien.
1997 – 1998 Studium an der Akademie der Bildende
Künste in Nürnberg, Deutschland,  2009 Aufenthalt in New York, von 2010 –
2013 Professor an der Accademia delle Belle Arti in Carrara, Italien.
 

Internationale Bekanntheit erlangte Aron Demetz 2009 durch die Teilnahme an der
53. Biennale in Venedig; Einzelausstellungen: 2007 PAC, Mailand, 2012 MACRO,
Rom und 2014 Arp Museum, Rolandseck, Deutschland, 2016 Art Center Hugo Voetten,
Herentals, Belgien, 2017 Asian Museum of Modern Art, Taiwan und 2018 MANN,
Neapel.

































































 


redaktionell geprüft



Ausstellungs-Informationen


Durchführung

Künstler: Aron Demetz


Vernissage

Begrüßung - Vernissage: Atelierbesuch Studio Aron Demetz
Startdatum: 30.03.2019
Uhrzeit: 17.48h

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