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Ethos: ein nationales Symposium in Meran Sonstiges

16.03.2009 11:50 | Meran - Bürgersaal - Otto-Huber-Str. 8 | Associazione niemals allein - mai soli

Ethos. Ethik und Verantwortung - Meran, 27. März
Ethos. Ethik und Verantwortung - Meran, 27. März
Am 27. März findet in Meran das Symposium "Ethos. Ethik und Verantwortung" statt. Mit u.a. Ignazio Marino, Piercamillo Davigo und Vito Mancuso.

Ethik ist der Sammelbegriff für solche öffentlichen und privaten Verhaltensnormen, die der Einzelne oder eine ganze Gemeinschaft aufstellen, um festzulegen, was richtig ist oder falsch, was erlaubt ist oder nicht. Soweit zur Begriffsdefinition. Die Philosophie- und Sozialgeschichte zeigt, dass diese Normen im Laufe der Zeit Revisionen, Änderungen, ja, wahren Revolutionen – sowohl auf der persönlichen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene – unterworfen wurden. Heute sind wir Zeugen eines weiteren Wandels: Für die westliche Gesellschaft ist dies zweifellos einer jener Momente, in denen die Grundprinzipien der gemeinsamen ethischen Standards solche Inputs erhalten haben und noch erhalten werden, die ein Überdenken erforderlich machen - sei es, dass diese Reflektion nun auf eine Bekräftigung oder eine erneute Bestätigung der althergebrachten Prinzipien gerichtet ist, die von einem Zersetzungsprozess bedroht zu sein scheinen, sei es, dass ihre Revision als notwendig erachtet wird im Blick auf den stetig zunehmenden Erkenntnisstand des Menschen. Zeugnis dieser Anstrengungen sind die zahlreichen Fragen, die in den Medien erörtert und nicht nur unter Philosophen, Soziologen und Theologen eifrig diskutiert werden, sondern auch das Leben eines jeden Menschen bei seinen unterschiedlichen, manchmal auch äußerst dramatischen Entscheidungen betreffen.

Wie werden Leben und Tod heute definiert? Wo liegt die Grenze, die beides trennt? Welchen Entscheidungsspielraum haben der Einzelne und die Gesellschaft in Bezug auf das Leben und das Sterben? Dies sind Fragen, die heute gewissenhaftes Nachdenken erfordern und die zugleich schwierige und oft schmerzliche persönliche Entscheidungen mit sich bringen. Die wissenschaftlichen Kenntnisse über das Leben zwingen uns heute zu reiflichen Überlegungen in Bezug auf Patientenverfügung, Verwendung von Stammzellen, Transplantationen, Klonierung und künstliche Befruchtung. Da wir als Gesellschaft davon betroffen sind, entsteht daraus die Notwendigkeit, unsere Gesetze anzupassen. Betroffen sind wir aber auch als Einzelne. Betroffen sind wir als Fachexperten, die in dieser Branche tätig sind, aber auch als Menschen, die gegebenenfalls solche Situationen erleben und bewältigen müssen.

Ähnlich verhält es sich in der Wirtschaft. Das weltweite Ausmaß der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise sowie die Globalisierungsprozesse auf den Märkten und in den Produktionsketten zwingen uns, über Fragen der Ethik, des menschlichen Wertes und der zentralen Bedeutung des Individuums in Produktions- und Vertriebsprozessen nachzudenken. Sensibilität gegenüber dem Schicksal unseres Planeten und der Aufruf, unser Verhalten im Blick auf den Umweltschutz zu überdenken, sind Aspekte, die mit solchen Themen eng verbunden sind und die Mächtigen der Welt angehen, gerade wie unser tägliches Konsumverhalten oder der Wert, den wir dem Geld beimessen oder die Beispiele, die wir unseren Kindern geben.

Aber damit nicht genug: Die verbreiteten Immigrationsphänomene oder – einfacher noch – die immer umfangreicheren und effizienteren Kommunikationsmechanismen vermengen auf mehr oder weniger dramatische und drastische Weise Religionen, weltliche Prinzipien, soziale und bürgerliche Werte sowie Grundsätze der persönlichen und gemeinschaftlichen Identität und konfrontieren so die großen Wertesysteme der verschiedenen Kulturen miteinander. Dies verpflichtet einerseits die internationale Politik zur Lösung von Konflikten, andererseits betrifft es aber direkt unser tägliches Leben, da wir in unserem Umfeld im ständigen Kontakt mit neuen und anderen Kulturen sind.

Die Zeit ist reif zur notwendigen kollektiven Reflektion über diese Prozesse und unsere Handlungsweisen, um die Prinzipien des ethischen Verhaltens wieder bestätigen, neu formulieren, aber in jedem Fall miteinander teilen zu können, die uns für das Leben ausstatten und nicht den Mut nehmen, uns mit den großen und kleinen Fragen des Lebens zu beschäftigen und zu konfrontieren.

Vor diesem Hintergrund haben der Verein Niemals Allein - Mai Soli und die Bildungsagenturen  UPAD und Ascolto Giovani ein ganztägiges Symposium einberufen, das am 27. März 2009 in Meran (BZ) stattfinden wird und sich an verschiedene Zuhörer richtet: Der Vormittag ist den Studenten gewidmet, der Nachmittag den Fachexperten, der Abend einem größeren und gemischten Publikum.

Der Vormittag, mit Bildern, Erzählungen und Musik, ist den jungen Studenten der Oberschulen gewidmet, die wahrscheinlich mehr als alle anderen die sozialen Auswirkungen jener Widersprüche erleben, bei denen Ethik und Verantwortung als Sinnbilder zur Schau gestellt werden, die jedoch im öffentlichen Leben der Erwachsenen nur zu oft verleugnet werden. An sie wenden sich die direkten Zeugenaussagen von jungen Leuten, bei deren beruflichen Entscheidungen oder Lebensmustern der ethische Aspekt und das Verantwortungsgefühl gegenüber den Mitmenschen und deren Lebensbedingungen grundsätzliche Voraussetzungen darstellen: Igor Pesce (Architekt) - Mitarbeiter von Emergency in Afghanistan, Fiorenza Cavada (OP-Krankenschwester) - Mitarbeiterin von Emergency in Sudan und Umberto Zanarotti (HNO-Spezialist) - Volontär in Kenia und Congo.

Der Nachmittag bietet hingegen ein klassisches Tagungsprogramm und richtet sich an ein Publikum aus Mitarbeitern und Fachleuten (mit Simultanübersetzung), die in gesundheitlichen, politischen, wirtschaftlichen, rechtlich-administrativen und sozialen Bereichen tätig sind. Für die Leitung und Belebung der Debatte sorgen Ignazio Marino (international anerkannter Chirurg und Parlamentsabgeordneter), Piercamillo Davigo (Ratsmitglied des Kassationsgerichtshofs und Mitglied des Staatsanwaltschafts-Pools „Mani Pulite“), Donata Gottardi (Dozentin für Arbeitsrecht an der Universität Verona, Europaparlamentsabgeordnete) und Lorenzo Sacconi (Dozent für Wirtschaftspolitik an der Universität Trient und Autor).

Vom selben hohen Niveau sind auch die Vortragenden des Abends, dritter und letzter Teil des Tagesprogramms: Er richtet sich an ein gemischtes Publikum und wird in der dynamischen Form einer Talkshow präsentiert, die dem Aufeinandertreffen und der Gegenüberstellung mehrerer idealer Anschauungen dienen soll. Zu den bereits bestätigten Gästen zählen: Laura Boella (Dozentin für moralische Philosophie an der staatlichen Universität Mailand und Autorin); Rossella Bonito Oliva (Dozentin für moralische Philosophie an der orientalwissenschaftlichen Universität IUO Neapel und Autorin); Salvatore Natoli (Dozent für theoretische Philosophie an der Zweiten Universität von Mailand und Autor); Vito Mancuso (Dozent für Theologie an der Mailänder Universität San Raffaele und Autor).
 
Die Vorträge am Morgen finden im Auditorium der Karl Wolf Strasse, 36 statt (8.30 Uhr bis 11.30 Uhr), jene am Nachmittag und am Abend, hingegen, im Bürgersaal in der Otto Huber Strasse, 8 jeweils von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr und von 20.30 Uhr bis 22.30 Uhr.
Weitere Informationen zur Tagung finden Sie auf dem Blog www.maisoli.wordpress.com. Dort können auch die veröffentlichten Artikel kommentiert oder ein Thema innerhalb des Forums vorgeschlagen werden.
 
Infos:
Verein niemals allein – mai soli
39012 Meran – Monte Tessa-Str. 6
Tel. 0473 051157
Fax 0473 069359
 
 
 
 
 
 
 

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