Ethos: ein nationales Symposium in Meran Other
16.03.2009 11:50 | Meran - Bürgersaal - Otto-Huber-Str. 8 | Associazione niemals allein - mai soli

Ethik ist der Sammelbegriff für solche öffentlichen und privaten Verhaltensnormen, die der Einzelne oder eine ganze Gemeinschaft aufstellen, um festzulegen, was richtig ist oder falsch, was erlaubt ist oder nicht. Soweit zur Begriffsdefinition. Die Philosophie- und Sozialgeschichte zeigt, dass diese Normen im Laufe der Zeit Revisionen, Änderungen, ja, wahren Revolutionen – sowohl auf der persönlichen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene – unterworfen wurden. Heute sind wir Zeugen eines weiteren Wandels: Für die westliche Gesellschaft ist dies zweifellos einer jener Momente, in denen die Grundprinzipien der gemeinsamen ethischen Standards solche Inputs erhalten haben und noch erhalten werden, die ein Überdenken erforderlich machen - sei es, dass diese Reflektion nun auf eine Bekräftigung oder eine erneute Bestätigung der althergebrachten Prinzipien gerichtet ist, die von einem Zersetzungsprozess bedroht zu sein scheinen, sei es, dass ihre Revision als notwendig erachtet wird im Blick auf den stetig zunehmenden Erkenntnisstand des Menschen. Zeugnis dieser Anstrengungen sind die zahlreichen Fragen, die in den Medien erörtert und nicht nur unter Philosophen, Soziologen und Theologen eifrig diskutiert werden, sondern auch das Leben eines jeden Menschen bei seinen unterschiedlichen, manchmal auch äußerst dramatischen Entscheidungen betreffen.
Wie werden Leben und Tod heute definiert? Wo liegt die Grenze, die beides trennt? Welchen Entscheidungsspielraum haben der Einzelne und die Gesellschaft in Bezug auf das Leben und das Sterben? Dies sind Fragen, die heute gewissenhaftes Nachdenken erfordern und die zugleich schwierige und oft schmerzliche persönliche Entscheidungen mit sich bringen. Die wissenschaftlichen Kenntnisse über das Leben zwingen uns heute zu reiflichen Überlegungen in Bezug auf Patientenverfügung, Verwendung von Stammzellen, Transplantationen, Klonierung und künstliche Befruchtung. Da wir als Gesellschaft davon betroffen sind, entsteht daraus die Notwendigkeit, unsere Gesetze anzupassen. Betroffen sind wir aber auch als Einzelne. Betroffen sind wir als Fachexperten, die in dieser Branche tätig sind, aber auch als Menschen, die gegebenenfalls solche Situationen erleben und bewältigen müssen.
Aber damit nicht genug: Die verbreiteten Immigrationsphänomene oder – einfacher noch – die immer umfangreicheren und effizienteren Kommunikationsmechanismen vermengen auf mehr oder weniger dramatische und drastische Weise Religionen, weltliche Prinzipien, soziale und bürgerliche Werte sowie Grundsätze der persönlichen und gemeinschaftlichen Identität und konfrontieren so die großen Wertesysteme der verschiedenen Kulturen miteinander. Dies verpflichtet einerseits die internationale Politik zur Lösung von Konflikten, andererseits betrifft es aber direkt unser tägliches Leben, da wir in unserem Umfeld im ständigen Kontakt mit neuen und anderen Kulturen sind.
Vor diesem Hintergrund haben der Verein Niemals Allein - Mai Soli und die Bildungsagenturen UPAD und Ascolto Giovani ein ganztägiges Symposium einberufen, das am 27. März 2009 in Meran (BZ) stattfinden wird und sich an verschiedene Zuhörer richtet: Der Vormittag ist den Studenten gewidmet, der Nachmittag den Fachexperten, der Abend einem größeren und gemischten Publikum.
Der Nachmittag bietet hingegen ein klassisches Tagungsprogramm und richtet sich an ein Publikum aus Mitarbeitern und Fachleuten (mit Simultanübersetzung), die in gesundheitlichen, politischen, wirtschaftlichen, rechtlich-administrativen und sozialen Bereichen tätig sind. Für die Leitung und Belebung der Debatte sorgen Ignazio Marino (international anerkannter Chirurg und Parlamentsabgeordneter), Piercamillo Davigo (Ratsmitglied des Kassationsgerichtshofs und Mitglied des Staatsanwaltschafts-Pools „Mani Pulite“), Donata Gottardi (Dozentin für Arbeitsrecht an der Universität Verona, Europaparlamentsabgeordnete) und Lorenzo Sacconi (Dozent für Wirtschaftspolitik an der Universität Trient und Autor).
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